Online-Aktivist: FBI-Akte über Aaron Swartz veröffentlicht – SPIEGEL ONLINE – Netzwelt

Online-Aktivist FBI-Akte über Aaron Swartz veröffentlicht

Einen Monat nach dem Tod des Online-Aktivisten Aaron Swartz hat ein Blogger dessen FBI-Akte angefordert und veröffentlicht. Das Dokument zeigt, warum und mit welchen seltsamen Methoden die Bundesbehörde schon 2008 gegen Swartz ermittelte – zwei Seiten fehlen allerdings.

 

Internetaktivist: Schon 2008 ermittelte das FBI gegen Aaron Swartz

REUTERS

Internetaktivist: Schon 2008 ermittelte das FBI gegen Aaron Swartz

Am 11. Januar wurde Aaron Swartz tot in seiner Wohnung in Brooklyn aufgefunden.Nun hat der Blogger Daniel Wright die FBI-Akte des Online-Aktivisten und Mitbegründers der Website Reddit im Internet veröffentlicht. Die US-Bundesbehörden machen Ermittlungsakten nach dem Tod der betreffenden Person automatisch zugänglich. Wright forderte eine Kopie an, obwohl er nicht glaubte, dass eine solche Akte überhaupt existiert. Denn seiner Meinung nach war Swartz „nicht wirklich ein Krimineller“.

 Doch das FBI schickte 21 Seiten. Sie zeigen: Die Behörde wurde 2008 auf Aaron Swartz aufmerksam, als er die Bezahlschranken der Justizdatenbank Pacer umging und 18 Millionen Seiten kostenpflichtiger Dokumente herunterlud. 20 Prozent des gesamten Bestands, die er anschließend gratis ins Netz stellte. Während Beobachter wie dailydot.com die Aktion nicht für illegal halten, weil Swartz bloß ein Schlupfloch genutzt habe, sprach das FBI damals von 1,5 Millionen Dollar Schaden und begann zu ermitteln.

Schwer zu observieren

Die Bundesagenten verfolgten die IP-Adressen der Downloads zu Swartz‘ Haus nahe Chicago zurück. Die Überwachung des Gebäudes war jedoch schwieriger als gedacht: Zu viele Bäume und Häuser seien im Weg, zu wenig andere Autos parkten auf der Straße, vermerkten die Agenten in der Akte. Das Risiko, entdeckt zu werden, sei zu groß. Die Observierung wurde abgeblasen.

Stattdessen versuchte das FBI, auf anderen Wegen etwas über den Aktivisten herauszufinden: Die Ermittler kopierte Informationen aus dem Internet. In der Akte finden sich Angaben aus Swartz‘ Facebook-Profil, von seinem Blog oder seiner Seite bei LinkedIn. Etwa dass er Mitglied einer Organisation namens „Langzeit-Planungskomitee für die menschliche Rasse“ sei. „Ein Tipp für Straftäter“, spottet ein Daily-Dot-Autor darüber: „Wenn du das FBI auf eine falsche Fährte locken willst, streue einfach ein paar Lügen in deinem Social-Media-Auftritt.“

Lebensgefahr für Informanten?

Bei seinem nächsten Coup hatte Swartz weniger Glück. 2010 zapfte er im Massachusetts Institute for Technology (MIT) fünf Millionen wissenschaftliche Artikel aus der digitalen Bibliothek JSTOR ab. Das MIT sah von einer Klage ab, doch die Justiz war weniger nachsichtig. Swartz wurde wegen Betrugs und Datendiebstahls angeklagt, ihm drohten bis zu 35 Jahren Haft und eine Million Dollar Geldstrafe. Doch bevor der Prozess beginnen konnte, fand Swartz‘ Freundin ihn im Januar tot in seiner Wohnung.

Zum Pacer-Fall habe das FBI ihm nur 21 von 23 Seiten der Ermittlungsakte geschickt, schreibt Daniel Wright, zwei Seiten seien zurückgehalten worden. Unter anderem mit der Begründung, dass andernfalls das Leben eines Menschen in Gefahr sei. Ist das ein Hinweis auf einen Informanten in Swartz‘ Umfeld? Diese Frage stellt sich Wright nun und schreibt: „Ich bin ehrlich gesagt immer noch verwirrt.“

tib

Quelle: Online-Aktivist: FBI-Akte über Aaron Swartz veröffentlicht – SPIEGEL ONLINE – Netzwelt

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Nach dem Austauschjahr in den USA: Zurück in Trump-Land

Nach dem Austauschjahr in den USA – taz.de

Zurück in Trump-Land

Vor einem Jahr war unsere Autorin Austauschschülerin in den USA. Nun kehrte sie zurück und fragte: Seid ihr jetzt wirklich glücklich?

Die Autorin Paulina Unfried auf einer langen Straße im Nirgendwo

Das Stadtkind auf den Straßen von MinnesotaFoto: Paulina Unfried

Als ich am Minneapolis-Saint Paul International Airport aus dem Zollbereich komme, sehe ich als Erstes zwei Rednecks mit „Make America Great Again“-Shirts.

Phil und Alex. Meine Freunde. Ich habe sie während meines Auslandsjahres in der Jugendgruppe der Kirche kennengelernt. In der Schule waren sie ja fast nie. Als wir in ihrem Pick-up auf den Highway 12 auffahren, frage ich sie, ob sie sich die Trump-Shirts extra für meine Begrüßung gekauft haben.

„Das hättest du wohl gerne“, sagt Alex.

Da hat er recht.

Anderthalb Stunden später fahren wir in unser Dorf ein. Direkt am Ortseingang steht das „Abtreibung ist Mord“-Schild. Und jetzt fühle ich mich wieder zu Hause. Das ist so ein „Alles so wie immer“-Gefühl. Alles so, wie es war, als ich vor knapp einem Jahr zurück nach Deutschland ging.

Nur dass Donald Trump jetzt tatsächlich Präsident ist.

Vor der Dorfkirche steht eine junge Frau. Sie ist groß, weiß, hat lange, blonde Haare. Das ist ­Ashlie. Meine Ashlie.

Sonntags in der Kirche: Hat der Priester gerade gesagt, dass Trump der neue und bessere Jesus ist?

Ich springe aus dem Pick-up, um sie zu umarmen, und was ist das Erste, was ich zu hören kriege?

„Ich hab dir gleich gesagt, dass Hillary keine freaking Chance hat, Paulina.“

Ah, richtig, man muss hier immer schön „freaking“ sagen. Statt „fucking“. Damit alles christlich und sauber bleibt.

Ich hatte Ashlie zu Beginn meines Auslandsjahres verachtet. Sogar verabscheut. Sie war für Trump, ich war für Hillary. Ich hasste Trump, sie hasste ­Hillary.

Ich bin aufgewachsen in einer wannabe-progressiven Blase in Berlin-Kreuzberg und gehe auf eine erst recht wannabe-progressive Privatschule in Mitte.

Als ich vor 550 Tagen in diesem 1.500-Menschen-Dorf ankam, um ein Jahr dort zur Highschool zu gehen, konnte ich kaum begreifen, wo ich gelandet war. In dem Amerika der Maisfelder, weit weg von San Francisco und New York, wo ich eigentlich hinwollte.

Ein US-Straßenschild vor Einheitshäusern

Alles christlich und friedlich, freaking statt fucking.Foto: Paulina Unfried

Meine Freundin Ashlie ist in einer ganz anderen Blase aufgewachsen, ihre Familie ist Mitglied einer streng christlichen Kirche. Wie die meisten hier. Nicht nur Sex vor der Ehe ist verboten, sondern sogar Nagellack. Hätte Gott gewollt, dass du rote Nägel hast, hätte er dich mit roten Nägeln erschaffen, ist ja logisch.

Alle haben auf Facebook die amerikanische Flagge als Profilbild, alle lieben das Jagen. Im Fernsehen und im Radio läuft Fox News in Dauerschleife. Darauf basiert dann auch das politische Wissen oder auf den noch schlimmeren Snapchat News, bei denen der Aufmacher vor Kurzem lautete: „Kylie Jenner hat einen dritten Nippel.“

Für den Großteil der Menschen hier würde es nie infrage kommen, einen Politiker zu unterstützen, der für Abtreibung, Globalpolitik und strengere Waffengesetze ist. Sie sagten mir immer, dass Clinton sich für alle anderen einsetzt, nur nicht für sie.

„Alles Fake News“

Ich wurde zum Glück nicht zum Trump-Fan bekehrt, es dauerte aber eine ganze Weile, bis ich nachvollziehen konnte, warum es aus der Perspektive der Menschen hier richtig erscheint, Trump zu wählen. Vor allem brachten sie mir bei, dass man andere Meinungen respek­tieren kann, auch wenn sie noch so weit der eigenen entfernt sind.

Seitdem nehme ich es Leuten übel, wenn sie von den dummen Trump-Wählern sprechen, denn Ashlie ist alles andere als dumm.

Nichtsdestotrotz habe ich meine Lust am Diskutieren nicht verloren, und so knurre ich noch vor der Umarmung: „Du weißt aber schon, dass ­Hillary das Popular Vote hatte?“

Clinton hatte 2,9 Millionen Stimmen mehr. Allerdings alle in Kalifornien.

„Alles Fake News, totale Unwahrheiten“, antwortet Ashlie routiniert, „Hast du noch nie ­etwas von der Silent Majority gehört?“ Sie meint die Leute, die nicht zur Wahl gegangen sind, aber angeblich alle für Trump gestimmt hätten.

In meinem Jahr hier in Minnesota habe ich gelernt, dass es menschlichen Beziehungen guttut, auch mal nichts zu sagen, also schweige ich, ziehe die linke Augenbraue hoch, und wir umarmen uns endlich.

Ein paar Tage später, an einem Samstagnachmittag, treffen wir uns vor dem Dairy Queen, wie immer. Das ist eine globale Fast-Food-Kette aus Minnesota. Die einzige, die in unserem Dorf eine Filiale hat. Phil und Alex lassen ihre Autos davor stehen, dann cruisen wir zu viert in Ashlies 850-Dollar-Karre durch die Felder in ein Nachbardorf, um dort ein Baseballspiel anzuschauen und später auf eine Party zu gehen. Die haben dort auch einen McDonald’s Drive-through, das ist unser erstes Ziel.

Große Autos stehen in der Straße, keine Menschen sind zu sehen, dunkle Wolken

Niemand auf der Straße, nur PickUps und ZebrastreifenFoto: Paulina Unfried

Die Jungs sind heute ohne Trump-Shirts gekommen, tragen dafür die Hoodies mit dem Schullogo, so wie die meisten es hier tun.

Beide sind Seniors, also im letzten Highschooljahr, und müssen jetzt ihren Abschluss machen. Sie gehen aber immer noch kaum zur Schule, weil das nichts für Coole ist. Bringt einem keine Reputation, im Gegensatz zu dem Hoodie. Der dient dem Gemeinschaftsgefühl. Beide haben überhaupt keine Idee, was sie nach der Schule machen wollen. Das liegt daran, dass sie nicht wissen, was sie von der Zukunft wollen. Und weil sie denken, dass sie keine Zukunft haben.

Ich erzähle ihnen, dass und warum die meisten Deutschen Trump täglich schlimmer finden. Für sie völlig unlogisch.

„Er unternimmt endlich etwas gegen Abtreibungen, bietet anderen Ländern die Stirn, beschützt unsere Gewehre und somit die Verfassung und lässt keine Terroristen mehr ins Land. Was soll daran falsch sein?“, sagt Ashlie.

„Alles“, sage ich.

Trotzdem kann ich nachvollziehen, warum sie so denkt: Für Abtreibung sein, das ist für sie genauso schlimm wie für mich Rassismus.

Vorbei mit der Toleranz?

Alle drei haben meinen taz-Artikel „Allein unter Trump-Kids“ gelesen und wollen wissen, wie das alles an diesem fremdartigen Ort namens Deutschland angekommen ist.

„Hmm, einige Leute haben euch besser verstanden, aber andere beleidigten mich als Trump-Liebchen oder Trump-Fan“, sage ich.

Alle drei lachen, für sie total abwegig.

„Es ist also vorbei mit der Toleranz im toleranten Berlin, sobald es ans Verstehen von Trump-Wählern geht?“, fragt Alex.

Daraufhin schweige ich.

„So ist das immer mit den Linken und Demokraten, die sind kein Stück besser als wir, wenn es um Respekt geht, auch wenn sie es denken“, sagt Phil.

Wieder ziehe ich die linke Augenbraue hoch.

Dann ist es, als hätte man den Radiosender gewechselt, denn alle drei reden nur noch über „Prom“, den Abschlussball der Highschool. Ashlie ist in einer sehr entspannten Lage, denn sie hat das dafür zwingend vorgeschriebene Date bereits. Ein Senior hatte sie mit einem Plakat geworben, auf dem ihr Kopf, sein Kopf und der Kopf von Donald Trump aufgeklebt war. Darüber stand der Slogan: „Let’s make Prom great again“. Da konnte Ashlie natürlich nicht Nein sagen.

Unsere Autorin ist im Seitenspiegel eines Autos zu sehen

Pläne für den Abend? Drive-through!Foto: Paulina Unfried

Vermutlich hatte das Plakat die Mutter des Jungen gebastelt. Diese rituelle Romantik müssen hier meistens die Mütter beisteuern.

Als wir beim Baseball ankommen, ist die kleine Stahltribüne bereits voll. Ich kriege noch den allerletzten Platz, das ist der neben Mrs. Bellter. Meine ehemalige Politiklehrerin hatte uns Schüler auf Parallelen zwischen Obama und Hitler aufmerksam gemacht. Sie ist Ende vierzig und fühlt sich als eine Art Über-Mum ihrer Schülerinnen, die sie mit Tipps auf das Leben vorbereitet.

Sofort erzähle ich ihr etwas weinerlich, wie unfair ich es finde, dass nun statt einer kompetenten Frau ein Mann Präsident ist, der sich derart unflätig über Minderheiten und Frauen äußert.

„Schätzchen“, sagt Mrs. Bellter, „so reden doch alle Männer untereinander, meiner inklusive.“ Sie lacht herzlich. „Das wirst du auch noch sehen.“ Das sei „ganz natürlich“.

„Außerdem ist dieser Lockerroom-Talk nun wirklich schon Ewigkeiten her“, sagt Ashlie, die neben mit sitzt.

„Schätzchen, weißt du, vielleicht gibt es einfach bestimmte Positionen in der Welt, die besser durch Männer besetzt sind“, sagt Mrs. Bellters dann noch.

Dann ist das Spiel zum Glück aus.

„Ashlie, deprimiert dich das denn gar nicht?“, sage ich, als wir zu zweit zum Auto zurücklaufen.

„Was?“

„Der Gedanke, dass du nicht alles erreichen kannst, nur wegen deines Geschlechts?“

Ashlie überlegt. „In meinem Leben spielt das keine Rolle“, sagt sie. Sie möchte zwar studieren, aber eigentlich will sie Mutter sein. Und acht Kinder haben. In ihren Kreisen haben alle acht Kinder. Mindestens. Eigentlich wollen sie so viele Kinder wie möglich. Darum geht es doch im Leben einer Frau.

„God sent us Trump“

„Als Trump gewählt wurde, habe ich ein paar Tränen geweint“, sage ich.

„Ich weiß“, antwortet sie leise.

Dann kommen auch die Jungs zum Auto.

Auf dem Nachhauseweg hören wir „Who runs the world? Girls“ von Beyoncé. Ashlie kann den ganzen Text auswendig und singt enthusiastisch mit.

Am nächsten Tag ist Sonntag. Alle sind in der Kirche, und wehe denen, die es nicht sind.

Dem netten Priester ist total feierlich zumute.

„God sent us Trump,“ ruft er mit euphorischer Stimme. Gott hat uns Trump gesandt.

„Let’s have faith that he will bring the much needed change upon us.“ Lasst uns daran glauben, dass er den Wandel bringt, den wir so dringend brauchen.

Die guten Christen halten ihre Hände vor sich gefaltet, schauen fromm und nicken. Ich beuge mich zu Alex hinüber: „Hat er gerade gesagt, dass Trump der neue und bessere ­Jesus ist?“

Er schaut verwundert über meine scheinbar schwächelnden Englischkenntnisse. Ich trenne meine Hände voneinander und falte sie während des gesamten Gottesdienstes nicht mehr. Am anderen Ende der Kirche sitzt Ashlie mit ihrer Familie und grinst zu mir rüber. Sie weiß mal wieder genau, was ich denke.

Auf einem Zeitschriftencover sieht man Hillary Clinton

„Hillary, die russische Spionin“Foto: Paulina Unfried

Nach dem Gottesdienst bin ich bei Ashlies Familie zum Brunch eingeladen. Es ist ein warmer Tag, so um die 25 Grad, und das schöne weiße Haus liegt direkt am See. Die ganze Familie hat sich heute versammelt. Fünf von Ashlies zehn Geschwistern sind älter als sie, keiner ist schon 30, aber alle sind verheiratet und haben Kinder.

Es ist richtig rührend, zu sehen, wie glücklich sich Ashlies Mutter durch das Chaos ihrer Enkel und Kinder bewegt. Ihre eigene jüngste Tochter ist fünf.

Auch mich umarmt sie. Wie immer hat sie für mich extra etwas Vegetarisches gekocht. Sie erzählt mir stolz, dass sie sich jetzt auch einen Twitter-Account eingerichtet hat. Damit sie Donald Trump folgen kann. Sie liest am liebsten @ real­DonaldTrump, weil es ihr bei @ POTUS, dem offiziellen Account des amerikanischen Präsidenten, zu gediegen zugeht. „Endlich mal Informationen aus erster Quelle“, sagt Ashlies Mutter.

„Einmal hat Trump an einem Tag nichts gepostet. Mom war total enttäuscht“, sagt Ashlie und kichert ein bisschen, während alle Erwachsenen am Tisch Platz nehmen.

„Auf unseren Präsidenten“, sagt einer von Ashlies älteren Brüdern.

„Auf einen Rassisten und Frauenfeind stoße ich nicht an und schon gar nicht mit Leuten, die ihn gewählt haben“, zischt Maureen, die älteste Schwester von Ashlie.

„Keine Politik“, sagt Ashlies Mutter. Sie klingt etwas besorgt.

Aber es ist zu spät, Maureen steht auf und stürzt aus dem Raum.

„Was war das denn?“ frage ich Ashlie.

„Es ist schrecklich,“ sagt sie leise, „aber Maureen ist jetzt eine Demokratin.“

„Ach, was?“ antworte ich laut, „Warum wusste ich davon früher nichts?“

„Vor Trump war es noch nicht so extrem und außerdem, denkst du, wir wollen das an die große Glocke hängen?“

Wir hören draußen den Automotor anspringen.

„Pussies fight back“

„Es tut mir leid, dass du das mitbekommen hast“, sagt Ashlies Mutter zu mir beim Aufräumen in der Küche. Dafür sind auch in Minnesota die Frauen zuständig. Sie wäscht schweigend ein paar der Teller ab, die nicht mehr in die Maschine passen. Dann fügt sie hinzu: „Maureen geht nicht mal mehr zur Kirche, kannst du dir so etwas vorstellen?“

Ashlies Mutter sieht unendlich traurig aus.

„Ich will doch nur das Beste für mein Kind“, murmelt sie in sich hinein.

„Die Sache ist die: Wir finden Maureens politische Einstellung nicht toll, aber sie ist diejenige, die unsere Meinung weniger respektiert als wir ihre“, sagt Ashlie, als sie mit einem Stapel neuer Teller hereinkommt.

Na ja, sie hadern schon auch, aber es stimmt: Ashlie hatte auch mich deutlich weniger wegen meiner Meinung verurteilt als ich sie.

Abends klicke ich mich durch Maureens Bilder auf Instagram und sehe, dass sie beim Women’s March und der Anti-Muslim-Ban-Demonstration in Minneapolis dabei war. Man sieht sie Schilder hochhalten: „Pussies fight back“ und „Make Racists afraid again“. Sie und ihr Mann sind Mitglieder einer Bewegung mit dem Namen „Minnesota Resist“, die Widerstand gegen Trumps Regierung leisten will. Ein Bild zeigt die beiden mit ihren zwei süßen Kindern. Da­runter schreibt Maureen, dass sie niemals aufgeben wird, für ein bessere Zukunft für ihre Kinder zu kämpfen. Alle vier lachen auf dem Bild so schön, dass man das Gefühl hat, die Welt sei bereits ein wundervoller Ort.

Auf einem Zeitschriftencover sieht man Donald Trump

„Trump erklärt Diktatoren den Krieg“Foto: Paulina Unfried

Am nächsten Tag hänge ich mit ein paar Freunden am Parkplatz der Tankstelle ab. Wie überall in Minnesota blicken wir auf einen großen See, hören Countrymusik, und die Jungs kauen Tabak.

Dann sehe ich eine Frau mit langen blonden Haaren beim Tanken. Maureen. Ich zögere einen Moment, dann traue ich mich, auf sie zuzulaufen und ihr die große Frage zu stellen.

„Wie hast du es geschafft, aus der politischen Meinung hier auszubrechen?“

Sie sagt, es sei ganz simpel. Sie sei aus dem Dorf herausgekommen, sei gereist, New York, Europa, und unterwegs habe sie sich verliebt. In einen Demokraten. „Vorher konnte ich das Geschwätz meiner Familie noch ausblenden, aber mit Trump wurde es echt zu viel.“ Sie und ihr Mann suchen gerade nach einem Haus, am liebsten in Minneapolis, das ist die einzige Großstadt von Minnesota, dort gibt es viele, die so denken wie sie.

Während sich die meisten Familien in der Realität Mühe geben, Emanzipationsgeschichten und Brüche geheim zu halten, ist das in den sozialen Medien ganz anders: Hier scheint jeder seine Meinung herauszubrüllen.

„Embrace Diversity“

Bei Ted ist das auch so. Er ist der Großvater der Familie, in der ich während meines Auslandsjahres lebte. Damals hat er nie offen darüber gesprochen, dass er für Clinton war. Und ich war nie auf seinem Facebook-Profil. Letztens postete Ted einen Artikel der New York Times, in dem Trumps „Muslim Ban“ heftig kritisiert wurde. Darunter kommentierte einer seiner besten Freunde: „Es ist schlau, dass du versuchst, dich zu bilden, doch dumm, dich dabei auf solche Fake News zu beziehen.“

Daraufhin wurde Ted wütend und es entbrannte ein riesiger Streit, der damit endete, dass die beiden sich über Facebook gegenseitig als „White Trash“ und „Hillbilly“ beschimpften. Seitdem reden sie in der wirklichen Welt kaum mehr miteinander, und wenn, dann nur da­von, was die Kinder so machen.

Ich treffe Ted an einem Dienstag bei „Dairy Queen“. Er ist Mitte 60, war früher Bürgermeister unseres Dorfs und sagt gern, er habe es „eigenhändig vorangebracht“. Jetzt arbeitet er an meiner ehemaligen Highschool und hat heute sein „Embrace Diversity“-T-Shirt an, also übersetzt so was wie: „Heiße Vielfalt willkommen“. Das müssen alle Schulangestellten dienstags tragen. Natürlich sind 99 Prozent der Leute an der Schule Weiße.

„Trump is a fucking idiot“, sagt Ted. Er gehört zu den wenigen im Dorf, die nicht „freaking“ sagen. Er hält das für verlogene Etikette und gilt insgesamt als schwierige Persönlichkeit. Mehr als 40 Leute haben ihm auf Face­book die Freundschaft gekündigt, seit er dort Stellung gegen Trump bezieht.

Eine triste Tankstelle, keine Menschen, dicke Wolken am Himmel

Oft hing Paulina Unfried mit Freunden an der Tankstelle ab. Bei Countrymusik, die Jungs kauten TabakFoto: Paulina Unfried

2016 war das erste Mal in seinem Leben, dass er demokratisch gewählt hat. „Clinton hat meine Stimme bekommen, weil ich mich mit Politik auskenne und meine religiösen Prinzipien nicht so stark sind, dass sie meinen Verstand ausschalten“, sagt er. „Schon irgendwie skurril, viele hier dachten, Trump wird uns und unsere Familien stärken, dabei hat er das Gegenteil bewirkt, er hat einige von uns weiter voneinander entfernt“.

Ich frage ihn, wann die Leute hier anfangen werden, Trump und seine Politik kritischer zu sehen.

„Es geht hier um den amerikanischen Stolz“, sagt er. „Die Leute werden sich nicht eingestehen, dass Trump schrecklich ist. Und dass sie Idioten sind, weil sie ihn gewählt haben.“

Es ist ganz schön paradox: Ich habe von diesen Menschen mühsam gelernt, andere Posi­tionen zu respektieren. Und jetzt, ein Jahr später, fällt ihnen das selbst schwer. Es ist auch paradox, dass ich mich ernsthaft frage, ob die Konservativen in manchen Aspekten nicht sogar liberaler sind als die scheinbar Progressiven. Weil mein Eindruck ist, dass sie Gegenargumente eher ertragen.

Trumps Wahlsieg hat Freundschaften zerstört und Familien gespalten, er hat sie nicht wieder „groß“ gemacht, sondern kleiner.

„Mein Mann und ich fragen uns jetzt oft, was wir in der Erziehung von Maureen falsch gemacht haben“, hat Ashlies Mutter zu mir an dem Abend in der Küche gesagt.

Dann hat sie geweint.

Quelle: Nach dem Austauschjahr in den USA: Zurück in Trump-Land

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Hamburg prüft vier Szenarien: Das droht der Roten Flora | MOPO.de

Hamburg prüft vier Szenarien Das droht der Roten Flora

 Von Renate Pinzke

Polizisten vor der Roten Flora

Die Krawalle rund um den G20-Gipfel haben die Rote Flora ins Zentrum der Kritik gerückt. Der Senat kündigt Konsequenzen an.
Foto: Ruega

Sternschanze –

Große Anspannung bei den Autonomen der Roten Flora. Sie befürchten eine Durchsuchung in den nächsten Wochen. Gleichzeitig droht Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) damit, dass der G20-Gipfel für die Rote Flora Konsequenzen haben wird. Aber welche genau sind das? 

In einem Interview, das Scholz der „Bild“ gab, ging er nicht darauf ein, welchen Weg er einschlagen wird. Dafür sprach er umso deutlicher über das Ziel, das er vor Augen hat: „Es kann dort nicht bleiben, wie es ist. Militante Gewalt darf aus der Roten Flora heraus nicht mehr unterstützt werden.“

Das sind die vier Optionen, die die Stadt jetzt hat:

Räumung: Vor allem aus der CDU kommt die Forderung, das linksautonome Kulturzentrum sofort räumen zu lassen. Doch das dürfte nicht einfach sein. Nachdem die Lawaetz-Stiftung als Treuhänderin der Stadt die Flora im Oktober 2014 für 820000 Euro vom insolventen Eigentümer Klausmartin Kretschmer kaufte, übernahm sie auch die Rotfloristen als Besetzer.

Eine Räumung würde für erhebliche Unruhe in der autonomen Szene sorgen – bis hin zu erneuten und dann wohl langwierigen Krawallen. „Daran hat niemand ein Interesse“, heißt es aus Rathaus-Kreisen. Eine Räumung sei keine politische Lösung, sondern führe nur zu einer Eskalation. So bleibt diese Möglichkeit vermutlich erst einmal auf Eis gelegt.

Hausdurchsuchung: Sollten die Ermittler Anhaltspunkte finden, dass vor und während des G20-Gipfels Straftaten durch die Flora unterstützt wurden, könnte es zu einer Hausdurchsuchung kommen. Eventuell könnten einzelnen Rotfloristen Straftaten nachgewiesen werden.

Das Problem: Es würde vermutlich nichts an der Situation in der Flora verändern. Es sei denn – und das ist die stille Hoffnung der Stadt – es kommt dadurch zu einem Generationswechsel in der Flora und somit auch zu einer befriedeten Atmosphäre.

Steuerrazzia: Auch möglich ist, dass sich Steuerfahnder die Rote Flora vorknöpfen. Partys, Konzerte, Getränkeverkauf – die Rotfloristen haben seit der Besetzung 1989 offenbar noch keinen Cent Steuern gezahlt.

Das Problem: Um jemanden zu belangen, braucht es einen Steuerpflichtigen. Und den gibt es bei der Roten Flora nicht, weil die Stadt keinen wirklichen Ansprechpartner hat, sondern sich nur einem Konglomerat von kleinen und größeren Gruppierungen gegenübersieht.

Verhandlungen: Eine weitere Möglichkeit sind Gespräche und Zugeständnisse der Besetzer an die Stadt. So könnte ihnen ein echtes Mietverhältnis angeboten werden, damit es auch rechtlich einen konkreten Ansprechpartner gibt. „Es wäre sinnvoll, wenn man sich auf gewisse Spielregeln einigt“, heißt es im Rathaus.

Und dazu gehört es auch, die faktische Rechtsfreiheit aufzuheben, mit der sich die Rotfloristen umgeben. Ob sich die Autonomen jedoch auf solch ein Konstrukt einlassen, ist mehr als fraglich. Und so könnte die Stadt zu guter Letzt doch noch zum Mittel der Räumung greifen.

Quelle: Hamburg prüft vier Szenarien: Das droht der Roten Flora | MOPO.de

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Stellungnahme zum G20-Gipfel in Hamburg – Amnesty International

Amnesty fordert umfassende Aufklärung der Grundrechtseinschränkungen während des G20-Gipfels in Hamburg

Amnesty International erkennt die Herausforderung an, vor der die Polizei und die Stadt Hamburg in den Tagen des G20-Gipfeltreffens stand: die Teilnehmer*innen und Veranstaltungen der G20 zu schützen und gleichzeitig friedlichen Protest zu ermöglichen, war eine höchst anspruchsvolle Aufgabe.

Presse- und Augenzeugenberichte legen aber nahe, dass es auf Seiten der Polizei zu strafrechtlich relevantem Verhalten kam: insbesondere im Kontext der „Welcome to Hell“-Demonstration, aber auch in anderen Situationen sollen Polizist*innen unverhältnismäßige Gewalt gegen friedliche Demonstrierende sowie Medienvertreter*innen angewendet haben. Diesen Vorwürfen müssen Polizei und Staatsanwaltschaft nachgehen: wo nötig, müssen straf- und dienstrechtliche Ermittlungen eingeleitet werden. Amnesty International befürchtet, dass Vorwürfen gegen Polizist*innen teilweise nicht nachgegangen werden kann, weil die Bundespolizei sowie zahlreiche Länderpolizeien keine individuelle Kennzeichnung tragen.

Deshalb fordert Amnesty International die Bundesregierung sowie alle Landesregierungen, in denen die Polizei bisher noch nicht individuell gekennzeichnet ist, dazu auf, eine solche Kennzeichnung umgehend einzuführen.

Der G20-Gipfel zeigt auch, wie sich das Fehlen unabhängiger Untersuchungsmechanismen für polizeiliches Fehlverhalten auswirkt. UN-Gremien wie der Menschenrechtsrat, die Humanistische Union, das Deutsche Institut für Menschenrechte und Amnesty International fordern seit Jahren, dass es in Deutschland Gremien außerhalb der Polizeibehörden geben muss, die Beschwerden entgegennehmen und strafrechtliches Fehlverhalten untersuchen können. Sowohl die individuelle Kennzeichnung von Polizist*innen als auch unabhängige Untersuchungsmechanismen ermöglichen eine rechtsstaatliche Kontrolle der Polizeiarbeit, bei der strafrechtlich relevantes Fehlverhalten Einzelner gezielt aufgeklärt werden kann, ohne eine ganze Institution zu diskreditieren.

Grund- und Menschenrechte bilden das Fundament eines demokratischen Rechtsstaats, sie zu achten und zu schützen ist Kernaufgabe jeden staatlichen Handelns. Amnesty International hatte bereits im Vorfeld des Gipfels darauf hingewiesen, dass die Polizei die Versammlungsfreiheit der Demonstrierenden – auch in Sicht und Hörweite der Gipfel-Teilnehmer*innen – gewährleisten muss. Gemäß dem sogenannten Brokdorf-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts hat die Polizei das Versammlungsrecht demonstrationsfreundlich auslegen. Ob dies mit der Wahl der Einsatztaktik der Hamburger Polizeiführung und insbesondere des Gesamteinsatzleiters Herrn Hartmut Dudde gelungen ist, muss nun kritisch aufgearbeitet und analysiert werden.

Dass der regierende Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) keine Polizeigewalt gesehen haben will und jegliche Kritik an der Polizeiarbeit als „Denunziation“ verunglimpft, ist aus Sicht von Amnesty International nicht nachzuvollziehen. In einem demokratischen Rechtsstaat muss Kritik an staatlichem Handeln nicht nur möglich sein, sondern sie ist sogar erwünscht und notwendig. Polizei und Politik als dessen Vertreter*innen sollten daher Kritik nicht pauschal abwehren, sondern sich konstruktiv damit auseinandersetzen und die nötigen Konsequenzen daraus ziehen.

Quelle: Stellungnahme zum G20-Gipfel in Hamburg – Amnesty International

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Gesichtserkennung in Berlin: Der Wunschtraum des Ministers

Gesichtserkennung in Berlin

Der Wunschtraum des Ministers

An einem Berliner Bahnhof sollen drei Testsysteme Gesichter erkennen – später auch hilflose Personen, herrenlose Koffer und andere „Gefahrenszenarien“.

Ein Bahnhof von außen

Am Dienstag startet auf dem Berliner S-Bahnhof Südkreuz der Testlauf zur GesichtserkennungFoto: dpa

FREIBURG taz | Thomas de Maizière hatte eine Vision. „Wenn ein gesuchter Schwerverbrecher in einen Bahnhof geht, dann könnten ihn die Videokameras dort sofort erkennen“, sagte er im Sommer vorigen Jahres. Ob sich die Vision des Bundesinnenministers realisieren lässt, wird ab 1. August in einem Modellversuch in Berlin getestet. Dabei wird sich vermutlich zeigen, dass de Maizières Fantasie die Möglichkeiten der Technik deutlich überschätzt hat.

Genau genommen sind im Bahnhof Berlin-Südkreuz zwei Versuche geplant. Ab Dienstag wird ein halbes Jahr lang die Leistungsfähigkeit von Gesichtserkennungssoftware getestet. Später befasst sich ein zweiter Test mit Mustererkennung. Dabei sollen etwa hilflose Personen, herrenlose Koffer und andere „Gefahrenszenarien“ erkannt werden. Beides zusammen nennt de Maizière „intelligente Videoüberwachung“.

Zunächst geht es aber um die Gesichter der Reisenden. Drei speziell präparierte Kameras nehmen die Passanten an Eingangstüren in der Westhalle und auf einer Rolltreppe auf. Der Bahnhof Südkreuz wird täglich von mehr als 100.000 Menschen frequentiert, er ist der drittgrößte Bahnhof Berlins.

Als Testpersonen nehmen rund 300 Pendler teil. Sie haben sich Ende Juni nach einem Aufruf der Bundespolizei freiwillig gemeldet. Als Belohnung bekommen sie einen Amazon-Gutschein über 25 Euro – wenn sie die Versuchsanordnung in sechs Monaten mehr als 25 Mal durchqueren. Die drei Personen, die den Testbereich am häufigsten nutzen, erhalten eine Smartwatch, eine Fitnessuhr oder eine Kamera. Damit die Polizei weiß, wann die Testpersonen tatsächlich im Bahnhof waren, müssen sie einen scheckkartengroßen Funksender mit sich führen.

Noch geht es nicht um die Suche nach Verbrechern

Vor allem aber mussten sich alle Testpersonen vorab fotografieren lassen. Die biometrischen Daten ihrer Fotos befinden sich nun in einer Testdatenbank, mit der die Gesichtserkennungssoftware die biometrischen Daten aller Passanten vergleicht, die ab 1. August in den Testbereichen gefilmt werden. Die Aufnahmen der Passanten werden also ausschließlich mit dieser Testdatenbank verglichen und nicht mit polizeilichen Fahndungsdatenbanken. Es geht hier nur um eine Technikschau, nicht um die Suche nach Verbrechern. Zumindest noch nicht.

Die Gesichtserkennungssysteme, die nun am Südkreuz verglichen werden, hat die Bundespolizei von drei Firmen gemietet. Gut ist ein System, wenn es die Testpersonen beim Passieren der Kameras möglichst häufig erkennt – und zugleich möglichst selten unbeteiligte Passanten für Testpersonen hält und dann falschen Alarm auslöst. Wer nicht Teil des Modellversuchs auf dem Bahnhof sein will, soll den beschilderten und markierten Testbereich leicht umgehen können, so das Innenministerium.

Die biometrische Gesichtsfahndung wird weniger an rechtlichen als an technischen Hürden scheitern

Hält die Technik, was sich Minister de Maizière von ihr verspricht, würde das System dann das Bild „eines flüchtigen Terroristen“ in die Software einspielen, sagte der Bundesinnenminister vor Kurzem in einem Interview, „sodass ein Alarm angeht, wenn er irgendwo an einem Bahnhof auftaucht“. Und dann? „Einsatzkräfte können anschließend zielgerichtet Maßnahmen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten gegen diese Person treffen“, heißt es in einer Information der Bundespolizei.

Ob eine solche Fahndung mittels Gesichtserkennung rechtlich möglich ist, ist noch nicht geklärt. Ab Mai 2015 verbietet zwar die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung grundsätzlich die Verarbeitung biometrischer Daten. Das gilt aber nicht, wenn die Verarbeitung „aus Gründen eines erheblichen öffentlichen Interesses erforderlich“ ist. Dass der Schutz vor Anschlägen ein solches erhebliches öffentliches Interesse darstellt, dürfte unstreitig sein. Fraglich ist aber, ob die Fahndung per Gesichtserkennung unverhältnismäßig ist, weil ja vor allem Unbeteiligte erfasst werden.

De Maizière hofft nun auf den technischen Fortschritt

Eine Vorentscheidung fiel im Jahr 2008, als das Bundesverfassungsgericht über eine ähnliche Maßnahme urteilte, den Kfz-Kennzeichen-Abgleich. Hier scannt die Polizei alle Nummernschilder vorbeifahrender Autos und vergleicht sie mit den Fahndungsdateien. Karlsruhe hielt die Methode für zulässig, solange sie nicht „ins Blaue hinein“ genutzt wird, sich also auf konkrete Anlässe oder Stichproben beschränkt. Dabei sah das Gericht bei normalen Autofahrern, deren Nummernschild kurz gescannt, geprüft und dann wieder gelöscht wird, nicht einmal einen Grundrechts­eingriff. Ob das wirklich richtig ist, will Karlsruhe noch in diesem Jahr überprüfen.

Letztlich wird eine biometrische Gesichtsfahndung aber wohl weniger an rechtlichen als an technischen Hürden scheitern. Schon im Jahr 2007 machte das Bundeskriminalamt einen ernüchternden Praxistest im Mainzer Hauptbahnhof. Die 200 gesuchten Testpersonen konnten zwar bei Tageslicht mit über 60 Prozent Wahrscheinlichkeit identifiziert werden – bei Dämmerung aber fielen die Werte auf schwache 10 bis 20 Prozent.

De Maizière hofft nun auf den technischen Fortschritt – ignoriert dabei aber offensichtlich einen Bericht der US-Normungsbehörde NIST vom März 2017. NIST prüft regelmäßig die Leistungsfähigkeit von Gesichtserkennungssoftware und hat jetzt zum ersten Mal die Auswertung von Videoaufnahmen untersucht (Face in Video Evaluation oder FIVE). Dabei stellte die Behörde fest, dass das biometrische Erkennen von Menschen auf Videoaufnahmen besonders schwierig ist: Personen bewegen sich, es befinden sich oft mehrere auf der Aufnahme und Passanten haben – anders als bei einer Zugangskontrolle – keinen Grund, mit der Kamera zu kooperieren.

Brillen, Hüte oder Make-up tricksen die Technik aus

Gute Ergebnisse können aber nur unter optimalen Bedingungen erzielt werden – das heißt insbesondere gutes Licht, gute Auflösung der Kamera und Passanten, die auch in die Linse schauen. Schnelle Ergebnisse setzten außerdem voraus, dass die Aufnahmen nur mit einer kleinen Datenbank abgeglichen werden. Eine biometrische Fahndung müsste sich also tatsächlich auf Terroristen, Gefährder und Schwerverbrecher konzentrieren.

Allerdings seien optimale Bedingungen „ein schwierig zu erreichendes Ziel“, so der FIVE-Bericht. Schauen Personen etwa permanent nach unten auf ihr Smartphone, bekommt die Kamera keine brauchbaren Bilder. Auch Brillen, Hüte oder Make-up könnten die Gesichtserkennung behindern. Ganz besonders problematisch seien Personen, die die biometrische Kontrolle gezielt sabotieren wollen, indem sie zum Beispiel Sonnenbrillen tragen. „Solche Techniken können 100-prozentig effektiv sein“, heißt es in dem Bericht.

Anis Amri, der Attentäter vom Berliner Breitscheidtplatz, hätte auf seiner Flucht nach Italien eine Gesichtserkennung also einfach austricksen können, wenn sie schon existiert hätte. Nichts anderes wird voraussichtlich auch der Modellversuch am Bahnhof Berlin-Südkreuz ergeben.

Quelle: Gesichtserkennung in Berlin: Der Wunschtraum des Ministers

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Einsatz beim G20-Gipfel: Staatsanwalt ermittelt gegen Polizei | MOPO.de

Der Eingang der Gefangenensammelstelle während des G20-Gipfels

Der Eingang der Gefangenensammelstelle in Harburg während des G20-Gipfels.

Einige mussten sich komplett nackt ausziehen und intensiv abtasten lassen. Andere sollen geschlagen worden sein. Der unglaubliche Umgang der Polizei mit Jugendlichen der Organisation „Die Falken“ aus NRW beim G20-Gipfel hat ein juristisches Nachspiel. Denn jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Polizei.

Sie saßen in einem angemeldeten Bus. Auf dem Weg zu einer angemeldeten Demonstration früh am Sonnabendmorgen des G20-Gipfels. Trotzdem wurden 44 junge Leute – darunter Mitglieder des DGB und der Grünen Jugend – plötzlich auf der Autobahn von einer Polizei-Eskorte umgeleitet und landeten in der Gefangenen-Sammelstelle („GeSa“) in Harburg.

Ohne dass ihnen mitgeteilt wurde, was ihnen überhaupt vorgeworfen wird, wurden sie einzeln abgeführt. Einige mussten sich nackt ausziehen und intensiv abtasten lassen. Kontakt zu einem Anwalt wurde nicht gestattet.

Einigen wurde gesagt, sie müssten bis Sonntagabend nun in der „GeSa“ bleiben, andere hörten, sie würden dem Haftrichter vorgeführt. Doch ganz plötzlich war der Spuk vorbei. Alles abgeblasen und nach fünf Stunden durfte der Bus weiterfahren.

Der Grund dafür ist mittlerweile bekannt: Die Polizei hatte irrtümlich den falschen Bus angehalten. Das erklärte Innensenator Andy Grote (SPD) später im Innenausschuss.

Die Falken erstatteten Anzeige. „Unsere Jugendlichen fühlten sich ohnmächtig, hilflos und eingeschüchtert“, sagte der Landesvorsitzende der Falken, Paul Erzkamp.

Der Staatsanwaltschaft wurde laut Sprecherin ein offener Brief der Falken mit Schilderung der Vorfälle zugeleitet. Nun prüft sie ein Verfahren gegen die Polizei.

– Quelle: http://www.mopo.de/28090152 ©2017

Quelle: Einsatz beim G20-Gipfel: Staatsanwalt ermittelt gegen Polizei | MOPO.de

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Außer Kontrolle: Facebook musste AI abschalten, die „Geheimsprache“ entwickelt hat – WELT

Facebook musste AI abschalten, die „Geheimsprache“ entwickelt hat

Von Philipp Nagels |  

Quelle: N24/ Marcus Tychsen

Drama! Elon Musk warnt vor den Gefahren von künstlicher Intelligenz. Mark Zuckerberg nennt das „unverantwortlich“. Musk schlägt zurück. Und jetzt: Eine Facebook-AI musste vorsichtshalber abgestellt werden.

Wenn wir schon unseren Untergang herbeiführen, dann doch zumindest mit Pauken und Trompeten, mit Drama, Intrigen und Gezanke! Silicon-Valley-Soap-Opera. Wir brauchen mehr davon, mehr!

Rekapitulieren wir kurz: Tech-Visionär Elon Musk hat in der Vergangenheit wiederholt davor gewarnt, dass künstliche Intelligenzen (AI) und smarte Roboter unsere Existenz gefährden werden, wenn wir nicht bald gesetzliche Regelungen finden, um die Forschung dazu zu kontrollieren. Facebook-Chef Mark Zuckerberg reagierte darauf kürzlich in einem Facebook-Live-Video.

Facebook Founder Mark Zuckerberg Delivers Commencement Address At Harvard

Quelle: Getty Images/Getty Images North America/Paul Marotta

Dort betonte er, selbst optimistisch zu sein, und verurteilte derartige Weltuntergangsszenarien.

 DAS IST WIRKLICH NEGATIV, UND IN MANCHER HINSICHT DENKE ICH WIRKLICH, DASS ES ZIEMLICH UNVERANTWORTLICH IST.
MARK ZUCKERBERG,Facebook-CEO

Ein klarer Schuss gegen Musk, der sich nicht lange bitten ließ …

I’ve talked to Mark about this. His understanding of the subject is limited.

 

„Sein Verständnis von diesem Thema ist beschränkt“ – autsch. Nach dem harten Konter lag der Space-X- und Tesla-Chef klar nach Punkten vorne. Zuckerberg hätte jetzt ein paar gute Runden gebraucht, um aufzuschließen. Stattdessen kassiert er die nächste Gerade.

Wie „Fast Co. Design“ berichtet, haben Facebookforscher ein AI-System abgeschaltet, als sie realisierten, dass sich zwei Bots in einer Sprache „unterhielten“, die für uns nicht verständlich ist. „Bob“ und „Alice“ waren ursprünglich auf Englisch trainiert worden. Doch sie entwickelten mit der Zeit eine eigene, effizientere Sprache. Die klingt zum Beispiel so:

Bob: „I can can I I everything else.”

Alice: „Balls have zero to me to me to me to me to me to me to me to me to.”

Robot holding a binary code sphere

Quelle: Getty Images/Science Photo Library RF/ANDRZEJ WOJCICKI/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Was für uns wie bunt zusammengewürfelte Wortabfolgen klingt, hatte für die Bots eine tatsächliche Bedeutung. Der Facebook-Forscher Dhruv Batra sagte „Fast Co. Design“:

 AGENTEN [AI-BOTS] WEICHEN VON VERSTÄNDLICHER SPRACHE AB UND ERFINDEN SELBST CODEWÖRTER.
DHRUV BATRA,Facebook AI Research (FAIR)
 
WIR VERSTEHEN SCHON JETZT IM ALLGEMEINEN NICHT, WIE KOMPLEXE AIS DENKEN, WEIL WIR IN IHREN DENKPROZESS NICHT WIRKLICH HINEINSEHEN KÖNNEN.
DHRUV BATRA,Facebook AI Research (FAIR)

Kämen nun noch Gespräche zwischen zwei künstlichen Intelligenzen dazu, würde dieses Problem nur noch größer, so der Entwickler. Unternehmen wie Facebook, Apple und Google arbeiten vor allem an Als, die mit Menschen interagieren können sollen, also nicht untereinander kommunizieren.

Nach dem etwas zu intimen Techtelmechtel zwischen Bob und Alice entschieden die Facebook-Forscher jedenfalls, dass ihre Gesprächbots notwendigerweise Englisch reden müssen. Wir möchten an dieser Stelle sagen: Gut so! Alles, was den Untergang unserer Zivilisation ein paar Tage rausschiebt, ist willkommen.

Quelle: Außer Kontrolle: Facebook musste AI abschalten, die „Geheimsprache“ entwickelt hat – WELT

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AI Invents Internal Language Humans Don’t Understand – Geek.com

Artificial intelligence systems can play gamesdrive cars, trade stocks, write movies—and communicate in a secret language humans don’t understand.

Just as children correspond in their own made-up vocabulary, so, apparently, do advanced neural networks.

Last year, Google’s AI researchers discovered that their Neural Machine Translation (GNMT) program purportedly developed its own internal language, or “interlingua.”

“Within a single group, we see a sentence with the same meaning but from three different languages [English, Japanese, Korean],” according to a November 2016 Google Research Blog post.

“This means the network must be encoding something about the semantics of the sentence rather than simply memorizing phrase-to-phrase translations,” the tech titan said. “We interpret this as a sign of existence of an interlingua in the network.”

(Self-professed geek and translation enthusiast Gedalyah Reback in January refutedGoogle’s claims, suggesting that the system’s “‘neural network’ is advanced, but its abilities are being exaggerated.”)

If Westworld is any indication of our future (and, my God, I hope it’s not), artificial intelligence has a ways to go before robots and humans reach a level playing field.

But AI may already be more advanced than we thought: In June, Facebook reported a similar “internal language” between two “dialog agents” developed to negotiate.

The Facebook Artificial Intelligence Research (FAIR) team had to use what’s called a “fixed supervised model” (trained to imitate humans)—because bot-to-bot discussions “led to divergence from human language as the agents develops their own language for negotiating.”

“Agents will drift off understandable language and invent codewords for themselves,” Dhruv Batra, visiting research scientist from Georgia Tech at FAIR, told Fast Companyearlier this month.

The question is: Should we allow artificial intelligence to evolve into chatterboxes (possibly covertly discussing the eventual takeover of the human race)? Or is it our duty to stamp out AI gossip before it’s too late?

“It’s important to remember, there aren’t bilingual speakers of AI and human languages,” Batra said.

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Quelle: AI Invents Internal Language Humans Don’t Understand – Geek.com

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„Meine journalistische Karriere in Deutschland ist zu Ende“: die bittere Bilanz einer WDR-Journalistin nach ihrem umstrittenen Zitat in der Flüchtlingskrise › Meedia

Claudia ZimmermannClaudia Zimmermann

Vor rund eineinhalb Jahren sorgte die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann für Schlagzeilen. In einer niederländischen Radiosendung erklärte sie mitten während der Flüchtlingskrise, die öffentlich-rechtlichen Medien seien „angewiesen, pro Regierung zu berichten“. Der WDR reagierte entsetzt und dementierte, Frau Zimmermann ruderte zurück. Heute sagt sie: „Bei Sendern und Verlagen ist meine journalistische Karriere in Deutschland nach dieser Äußerung zu Ende.“ Mit dem WDR verhandelt sie um die Modalitäten der Trennung.

Claudia Zimmermann meldete sich bei MEEDIA, nachdem sie die Berichte über die aktuelle Studie des Medienforschers Michael Haller gelesen hatte. Haller hat zusammen mit der Uni Leipzig und der Hamburg Media School eine groß angelegte Studie zur Medienberichterstattung während der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 erstellt und dafür tausende Zeitungsartikel ausgewertet. Zentrales Ergebnis der Studie: Die Medien, zumindest die Tageszeitungen, hätten in erster Linie die Perspektive der Politik eingenommen.

Frau Zimmermann fühlte sich von der Studie in ihrer vor eineinhalb Jahren geäußerten Kritik vor allem an den öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland bestätigt. Sie habe sich damals zwar von ihrer Aussage distanziert, dass Journalisten direkte Anweisungen zur Berichterstattung erhalten, an der generellen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, hält sie jedoch fest: „Vor allem die großen Fernsehsender ARD und ZDF werden immer als Staatsfernsehen kritisiert, und meiner Meinung nach stimmt das. Es wird zu wenig kritisch über die Regierung berichtet. Das liegt nicht daran, dass die Journalisten schlecht sind. Das System funktioniert von oben nach unten. Chefredaktionen oder Studioleitungen sorgen dafür, dass zu kritische Berichte gar nicht erst gesendet werden.“

Im Gespräch mit MEEDIA legt Frau Zimmermann Wert darauf, dass sie nicht die einzelnen Journalisten kritisieren will, die ihrer Meinung nach in der Regel einen guten Job machen. Allein die Einstellungspolitik der öffentlichen Sender und die Abhängigkeit vor allem der festen Freien Mitarbeiter (diesen Status hat auch sie selbst beim WDR) verhinderten ihrer Meinung nach, dass allzu kritisch über die Regierung und die Flüchtlingsfrage berichtet werde. „Wenn jemand hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik kritisch berichtet, wird er sehr schnell in die rechte Ecke gestellt. Die Problematik mit den Flüchtlingen wird nach wie vor viel zu positiv dargestellt“, sagt sie zu MEEDIA.

Für sie selbst hatte ihre Aussage von vor eineinhalb Jahren drastische Konsequenzen: „Der WDR hat gesagt, ich sei nicht entlassen worden. Das ist richtig, ich wurde nicht entlassen. Ich habe seitdem aber auch keine Aufträge mehr bekommen. Ich bin seit 25 Jahren beim WDR und habe vorher von zehn Themenvorschlägen an den WDR ca. acht verkauft. Nach dieser Äußerung habe ich viele Themenvorschläge gemacht und kein einziger wurde eingekauft. Das hat dann dazu geführt, dass ich einen Burnout bekommen habe.“

Nach der umstrittenen Äußerung hätten sich innerhalb des WDR-Studios, für das sie arbeitet auch die Zuständigkeiten plötzlich geändert: „Normalerweise wurden die Themenvorschläge von einem Redakteur eingekauft. Nach meiner Äußerung vom Januar 2016 musste ich mich mit Themenvorschlägen immer an die Studioleitung wenden. Da wird dann niemand sagen, meine Themen werden wegen dieser Äußerung abgelehnt. Es findet sich immer ein Grund: zu kompliziert, zu überregional, so etwas Ähnliches haben wir schon gehabt etc.“

Der WDR bestreitet auf Anfrage von MEEDIA, dass Frau Zimmermann keine Aufträge mehr bekommen habe. Eine Sprecherin des Senders sagte: „Es ist nachweislich nicht richtig, dass Frau Zimmermann seitdem keine Aufträge mehr vom WDR erhalten hat. Dass Studioleitungen bei Themenvorschlägen eingebunden werden, ist übrigens nicht unüblich.“

Claudia Zimmermann erklärte gegenüber MEEDIA, sie habe seit der Äußerung lediglich zwei kurze, so genannte „Off Mazzen“ machen dürfen, 30-Sekünder ohne Autoren-Nennung. Bis Ende 2016 habe sie wöchentlich Themen angeboten, von denen kein einziges eingekauft worden sei.

Mittlerweile befindet sich Frau Zimmermann mit dem WDR in Verhandlungen um eine Trennung. Laut ihrer Aussage, konnte sie auch bei anderen Sendern oder Verlagen in Deutschland seither keine Themen mehr absetzen. Claudia Zimmermann publiziert noch in den Niederlanden und hat mit „Terroristen der Finanzmärkte“ ein Buch über die Machenschaften von Online-Brokern geschrieben, das am 31. Juli veröffentlicht wird.

Quelle: „Meine journalistische Karriere in Deutschland ist zu Ende“: die bittere Bilanz einer WDR-Journalistin nach ihrem umstrittenen Zitat in der Flüchtlingskrise › Meedia

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Offizielle Zahlen: So viele Polizisten wurden wirklich bei #G20 in Hamburg verletzt.

936 Polizisten sind während des G20-Einsatzes erkrankt oder wurden verletzt. Von den verletzten Polizisten gelten 9 als schwer verletzt und keiner dieser schwer verletzten Polizisten war zwei Wochen später noch in stationärer Behandlung. Das geht aus einer Antwort des Hamburger Senats auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Christiane Schneider hervor, die BuzzFeed News vorliegt.

Damit hat der Hamburger Senat erstmals offizielle Zahlen zu verletzten Beamten vorgelegt, die BuzzFeed News hier aufschlüsselt.

Wie viele Polizisten wurden verletzt?

Die Polizei unterscheidet zwischen verletzten und erkrankten Beamten. Als erkrankt gelten Beamte, wenn diese zum Beispiel wegen Kreislaufproblemen oder Dehydrierung ausfallen. Insgesamt seien 709 Polizistinnen und Polizisten verlerzt worden. Bei verletzten Polizisten geht diese Verletzung der Polizei zufolge stets auf Fremdeinwirkung zurück.

Wie viele Polizisten von Autonomen, Randalierern oder Demonstranten verletzt wurden und in wie vielen Fällen die Verletzung eine anderweitige Fremdeinwirkung als Ursache hat, ist nicht bekannt.

Wie viele Polizisten sind erkrankt?

Zu den 709 verletzten Polizisten zählt die Polizei Hamburg weitere, erkrankte Polizisten hinzu. „Erkrankungen wie Kreislaufprobleme, Dehydrierung u.a.m. werden bei den Länderpolizeien nicht als Verletzungen erfasst“, schreibt der Hamburger Senat in seiner Antwort.

Insgesamt seien 227 Polizisten aufgrund der Bedingungen des Einsatzes als erkrankt registriert worden.

  • Bayern: 2
  • Brandenburg: 1
  • Berlin: 3
  • Bremen: 1
  • Hamburg: 99
  • Niedersachsen: 6
  • NRW: 2
  • Schleswig-Holstein: 3
  • Bundespolizei: 110

Wurden die Beamten während der Demos verletzt?

256 Polizisten, das sind 36 Prozent der verletzten Beamten, wurde vor der „heißen Phase“ verletzt – also noch vor den Demonstrationen und Ausschreitungen. Der G20-Einsatz der Polizei begann bereits am 22. Juni, ab diesem Termin zählt auch die Statistik.

Etwa zwei Drittel der verletzten Polizisten wurde dem Senat zufolge während der drei Demo-Tage Donnerstag, Freitag und Samstag verletzt. Am Donnerstag verletzten sich demnach 197 Beamte, am Freitag 89, am Samstag nochmal 149. Weitere 18 verletzte Beamte können keinem Zeitraum zugeordnet werden.

Wie schlimm ist die Verletzung?

Verletzt ist nicht gleich verletzt, wie bereits unsere erste Recherche vor zwei Wochen gezeigt hat. Der ganz überwiegende Anteil der Beamten konnte nach kurzer Behandlung vor Ort den Dienst wieder aufnehmen. Das bestätigen nun auch die offiziellen Zahlen.

Quelle: Offizielle Zahlen: So viele Polizisten wurden wirklich bei #G20 in Hamburg verletzt.

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